Der Jahreswechsel in Erytan wird zur Wintersonnenwende vollzogen und von zahlreichen Bräuchen begleitet.
Wunschbäume (immergrüne Bäumchen mit vielen Ästen) werden aufgestellt, an die Bändchen gebunden werden können. Ein Behälter mit Bändern steht in der Nähe, es können daraus welche entnommen werden oder es werden eigene mitgebracht. In dieser Zeit achten Leute von der Stadtverwaltung darauf, dass der Behälter immer gefüllt ist.
Der Brauch funktioniert so: Du nimmst eine Schleife, flüsterst ihr zu, was dich im Jahr verletzt hat und bindest es an einem freien Ast. Dinge, die am Baum festgebunden werden und nicht mit ins neue Jahr kommen sollen, sollen so befreit werden.
Durch Magie sprießt nach jedem angebundenen Wunsch ein neuer Ast, sodass immer genug Platz ist. Er funkelt und das Funkeln bleibt an den Händen der wünschenden Person dann eine Weile kleben. Es spendet Hoffnung und Wärme.
Große Neujahrsmärkte ähneln in gewissem Sinne Messen in unserer Welt - die einzelnen Handwerke zeigen, was sie in einem Jahr vollbracht haben.
Die meisten Bücher, die in Erytan neu erscheinen, erscheinen um das neue Jahr herum und werden dort ausgestellt und verkauft. Es ist auch möglich, Bücher, die erst erscheinen sollen, vorzubestellen: per Eintrag in ein Auftragsbuch mit Namen und Adresse.
Auch neue Musik auf Lochplatten wird oft in dieser Zeit den Leuten zugänglich gemacht und veröffentlicht. In einer separaten Halle zeigen Künstler*innen ihre Gemälde und Skulpturen. Diese stehen zum Verkauf, aber es können so auch Kontakte geknüpft und Aufträge vereinbart werden.
Weitere Dinge, die in verschiedenen Markthallen außerdem gekauft werden können / dort vorgeführt werden: BDSM-Artikel (handwerklich gefertiges Spielzeug, Schlagwerkzeug, Seile, Seilepflegemittel, Klammern, Massageöl, Badesalze, Seilfärbemittel, Schleifsteine für Notfallscheren, Notfallscheren selbst), Rohstoffe (Stoffballen, Edelsteine, Bretter, Malfarbe,), Schmuck (Kettchen, Ringe, Schlüsselchen, Hofierkettchen mit Medaillon und dafür passende kleine Bilder), Werkzeuge, Haustierzubehör, abgepackte Süßigkeitentüten (Zuckerfigürchen, geröstete Kastanien, Nüsse).
Außerdem finden in dieser Zeit Seminare und Fortbildungen in den Markthallen statt, ebenso wie Tierschauen und die neuesten Erfindungen des Jahres.
Auf den Straßen wird vor allem wärmendes Streetfood verkauft: Suppe, Tee, heißer Apfelsaft mit Gewürzen …
Während das Leben sonst überwiegend draußen stattfindet, verlagert es sich in dieser Zeit stärker ins Haus. Brett- und Kartenspiele werden herausgeholt, es wird oft zusammen musiziert und gesungen. Einige Jahreswechsellieder werden fast nur in dieser Zeit gesungen.
Für die Katzen werden in dieser Zeit sternförmige Kekse aus katzenbekömmlichen Zutaten gebacken. Sie sollen den Katzen Glück und Gesundheit bringen.
Manche Familien backen Neujahrsbrot: Halb ausgebackenes Brot wird mit Käse und, je nach Haushalt, anderen Zutaten gefüllt (Brotstückchen, Kräuter, Zwiebeln, manchmal auch gekochte Eier, getrocknetes und in Öl eingelegtes Gemüse, Schinken…) und dann fertig gebacken, sodass das Innere durch den Käse teils flüssig ist.
Kuchen, die nicht für Gottheiten gebacken werden (eher Rührkuchen) werden teilweise in öffentlichen Backöfen gebacken und in einem kleinen Feiertagstempel gesegnet, indem geweihter Zucker drübergesiebt wird (Tempel sind klein, mit maximal zwei Leuten besetzt und sehen verschieden aus).
Am Neujahrsmorgen gehen Kinder oft ihre Verwandten besuchen mit Keksen.
Das Haus, Fassaden, Fensterläden und öffentliche Gebäude werden mit immergrünen Pflanzen, Bonbons, Kränzen, Formgebäck und Lichtern geschmückt.
In den Tagen vor dem Jahreswechsel findet außerdem die Abschlusssitzung des Adelsrates für das Jahr statt und da es sich um eine offene Sitzung handelt, kommen sehr viele Leute, um zuzusehen.
Viele Haushalte räuchern ihr Haus aus - die Sorgen, Nöte und Schwierigkeiten des Vorjahres sollen gehen, um Platz für die guten Dinge des Jahres zu lassen. (Info müsste hier ausführlicher.)
Viele Haushalte backen einen Apfel-Biskuit-Kuchen: Zunächst die Farben. Grün für das Leben, Gold für das Licht der großen Sonnenfalkin. Rot für die Wärme. Die Dekoration besteht aus einer Mischung aus Mandeln und Zuckerrübensirup oder Honig. Etwas Rosenwasser und etwas Mandelöl kommt hinzu. Und das wird dann mit anderen Lebensmitteln gefärbt und kann dann zu Mustern geformt werden. Üblich sind einfach abstrakte Muster, aber in der Familie der Herrin der Sonnenfalkin werden regelrechte Landschaften gebaut und Zuckerfigürchen geformt.
Manche Familien backen noch eine kleine Glücksmünze rein. Die haben ein Loch in der Mitte, sodass sie aufgefädelt und mit sich getragen werden können.
(Wie unschwer zu erkennen ist, besteht die Dekoration also aus hausgemachtem Marzipan, wofür dezidierte Mandelmühlen in den Haushalten verfügbar sind.)
Der Kuchen muss geweiht werden. Hier ein Beispiel dafür, wie das abläuft:
Ausreichend große Küchen verfügen über einen kleinen Altar, der die meiste Zeit durch einen Vorhang vom Rest des Traums getrennt ist. In der Regel sind solche Altäre sehr klein, höchstens so groß wie ein großes Schmuckkästchen, und mit kleinen Bildern verziert: Feuer, Wasser und andere Symbolen, in kleine (oftmals alte) Rahmen gefasst. Darunter befindet sich oftmals ein Schränkchen mit rituellen Utensilien. Aus einem der Schränkchen nimmt die im Haushalt ranghöchste Person lange Streichhölzer und eine kleine Schale, außerdem einen geriffelten Stein.
Sie nimmt außerdem ein kleines Gitterchen und eine kleinere Schale. Je nach Familie ist die Zusammensetzung der Ritualgegenstände unterschiedlich, ein Beispiel ist diese Mischung: Vanille, getrocknete Frühlingsblüten und ein nach Zitrone duftendes Harz. Als Symbol für das Alte, aus dem etwas Neues erwächst, außerdem eine mehrfarbige Kerze, die aus Kerzenresten zusammengefügt wurde.
Mit einem langen Zündholz wird die bunte Kerze entzündet und folgendes gesagt:
Große Falkin, nimm als Opfergabe die Arbeit unserer Hände, die in dieses Werk geflossen ist.
Die Arbeit von {hier alle Personen erwähnen, die daran gebacken haben}.
Ich bitte dich, segne die Herzenswünsche, die in dieses Werk eingebacken wurden.
Erfülle mein Werk damit, sodass wir davon erfüllt werden.
Das Zündholz wird in die feuerfeste Schale gelegt und brennt aus. Es wird vor dem Altar geknickst und sich anschließend bei der Gottheit bedankt. Das kann laut oder still passieren.
Wenn die Gottheit den Dank annimmt, dann flackert die Kerze höher auf und der Duft nach Äpfeln erfüllt die Luft, bis es fast schon zu viel ist, ehe die Kerze erlischt. Manchmal fühlt es sich auch an, als würde etwas die eigene Stirn kurz berühren.
Vor langer Zeit lebte eine Frau, die mit ihren Händen die herrlichsten Dinge erschuf. Türme aus Zuckerguss, Tiere aus Teig, Sonnenfalken mit durchsichtigen Flügeln durch die feinsten Griffe der Kunst. Doch da ihre Kunst immer nur dazu diente, gegessen zu werden, sahen die Leute auf sie herab.
Die junge Frau verbrachte bald ihre gesamte freie Zeit im Tempel der Großen Sonnenfalkin. Sie wusch sich die Tränen mit dem Wasser der Bäche, die ihre Apfelbäume wässerten und legte sich für Stunden unter jeden der Bäume, in der Hoffnung, einen Apfel und somit eine Antwort zu erhalten. Eine Antwort auf ihr Gebet, in dem sie nur um eins bat: Um ein anderes Talent.
Ihr wurde kein Apfel zuteil, egal wie verzweifelt sie bat und flehte. Der Jahreswechsel nahte heran und mit ihm die Zeit, in der sie besonders viele Aufträge für aufwendige Kuchen bekam und ihr Herz besonders schwer wurde. In jeden Kuchen legte sie ihr Herz, aber es wurde nicht gewürdigt. Die Leute warfen das Geld hin und dankten nicht einmal.
Und dann wurde die Frau wütend. Sie würde der Gottheit zeigen, was sie konnte! Dann würde sie ihr vielleicht endlich zuhören. Und so buk sie die aufwendigste Apfeltorte ihres Lebens - denn Äpfel waren die Pflanzen der Großen Sonnenfalkin. Und sie nahm Farben hinzu - grün, wie grüne Blätter. Rot wie die Äpfel in den Gärten. Golden wie die Äpfel der Göttin. Und sie formte aus Mandelteig einen Palast und aus Zucker eine Priesterschaft. Tränen des Zorns liefen ihr und sie formte eine Hochzeitsgesellschaft, die sich an einer kleinen Torte labt und dabei Trinksprüche auf die Bäckerin spricht, die bescheiden in der Ecke steht und grinst. Und als das Werk vollendet war, schlief sie erschöpft daneben ein.
Der Duft von Äpfeln erfüllte die Luft und webte sich zart in den Traum der Bäckerin. Sie lag auf einer weichen Wiese, auf der trotz des Winters das Gras sattgrün stand und so hoch, dass die Halme über ihren Kopf ragten. So setzte sie sich auf und fand einen Apfel im Gras liegen. Vorsichtig biss sie hinein und der Duft erfüllte die Luft und der Geschmack flüsterte: Ich habe deine Opfergabe erhalten. Deine Mühen, deine Arbeit. Ich habe sie erhalten und ich danke dir für die Arbeit deiner Hände, die Hingabe deiner Gedanken. Deine Wut ist gesegnet, und der Segen wirkt Magie.
Die Bäckerin hob die Handflächen den Wolken entgegen, hinter denen sie die Große Sonnenfalkin vermutete und fragte: Aber was soll ich tun? Wie kann ich es ändern? Denn verändern wollte sie es, den Schmerz hielt sie kein weiteres Jahr aus, zu groß waren die Wunden durch die Kränkungen.
Der Duft goldener Äpfel wurde noch viel intensiver und schien ganz Arl-Sere zu erfüllen. Und die Antwort überraschte die Bäckerin: 'Du sollst sie lehren, ein jedes Familienoberhaupt, in deiner Kunst. Streng sollst du sein und unerbittlich auf Fehler hinweisen. Und von der Herrin der Sonnenfalken bis zur Geringsten, sollen sie von dir lernen und jedes Jahr daran erinnert werden, dass Schönheit und Hingabe das Leben apfelsüß machen.
Die Bäckerin erwachte im Tempel, ihr Kunstwerk in der Mitte ausgestellt, und davor geduldig wartende Damen, in reichen Gewändern. Sie lehrte alle, die lernen wollten, ihre Kunst und diese lehrten ihre Kinder. Voller Respekt gegenüber der Kunst und voller Hingabe an die Göttin. Und zum Ende verspeisten sie die durch ihre Arbeit gesegnete Nahrung.
Das ist recht euphemistisch, eigentlich ist das, was dort stattfindet, am ehesten mit einer Massenorgie mit Rummelplatz vergleichbar. Auf dem Weg dorthin wird oft schon getrunken und gesungen.
Der Trinkspruch, der sich von Kutsche zu Kutsche zugerufen wird, lautet „Auf das Alte und das Neue?“ Die Antwort lautet: „Auf das Alte, das Neue und ein Jahr voller Glück!“
Ein Beutel mit Spatzen (Kupfermünzen) und kleinen Zuckerbonbons zum Werfen wird in der Kutsche mitgeführt.
Der Sorlyser Neujahrstempel hat rote Mauern. Im Inneren sind auch im Winter blühende Bäume voller Bänder und es wird Musik gespielt. Der kleine Fußweg ist mit roten und gelben Pflastern gepflastert, die Türen sind rot, grün und golden verziert.
Auf dem Platz gibt es dann auch wirklich viele verschiedene Stände zu sehen. Einige verkaufen kleine Erinnerungsstücke, wie beispielsweise zierliche Armbänder, an denen verschiedene Perlen mit der künftigen Jahreszahl befestigt werden können. Der Preis dafür liegt rein symbolisch bei einem Spatzen.
Es gibt einen Fischteich in der Mitte, wo prächtige Fische schwimmen und bunt aufleuchten, wenn sie ein Zuckerkügelchen fressen dürfen. An einem Schrein drehen sich Leute mit dem Rücken zum Altar und werfen Kügelchen und Münzen hinter sich, die sich dann in bunte Vögel verwandeln.
Es gibt auch noch kleinere Seitenteiche mit noch mehr Zauberfischen.
Es gibt einen Rosenbusch mit glitzernden, zwitschernden Glasvögelchen, die sogar nesten. Sie können mit Bonbons gefüttert werden.
Sich etwas zu wünschen, funktioniert so: Vor dem Altar knicksen, sich umdrehen, die Augen schließen, Münzen hinter sich werfen (die sich in Vögelchen verwandeln und wegfliegen).
Auch Essen kann dort erworben werden: Katzenkekse zum Mitnehmen für die Tiere daheim, aber auch Kekse für Leute (um sie den Kindern mitzubringen, die nicht in den Tempel dürfen), Karottensuppe mit oder ohne Fleisch, vielfältige Getränke, Käsestangen, Grillgut (Fleisch und Gemüse), unterschiedliche Kartoffelsorten in Asche ausgebacken.
Zum Jahreswechsel vollzieht sich diese Magie: Musik fließt wie ein sanfter Strom über den gesamten, verwinkelten Hof und erreicht jede noch so abgelegene Ecke. Die Musik verwebt sich um sie herum und wird lauter, aber nicht unangenehm. Nur so laut, dass gefühlt alle, die sie hören, in ihrem zarten Lautfluss mitatmen. Und es sieht aus, als würde Glitzer in der Luft liegen - die Magie, die an diesem Tag geflossen ist.
Die Magie von Wünschen, Träumen und Hoffnungen eines Jahres, die sich an den Mauern sammelt, verwirbelt und trotz des ungewöhnlich kalten Winters warm um alle fließt, die anwesend sind. Und diese Magie steigt langsam auf und sammelt sich über dem Zentrum des Tempels zu einem funkelnden, glitzernden und tönenden Ball.
Der glitzernde Ball öffnet sich und unter Musik und herrlichen Klängen wächst daraus ein glitzernder Spross aus Sternen und kleinen, bunten Vögelchen. In dem Moment, in dem das alte Jahr ins neue wechselt, erblüht eine herrliche Blume, die ihre Strahlen fast sonnengleich in den Himmel spinnt, sodass es aussieht, als würde mitten in der Nacht eine neue, schillernde Sonne aufgehen und sie alle umfassen.
Hoffnung, Glückseligkeit, Glück. All das liegt in der Melodie, die ertönt. Die Perlen, die die Leute im Tempel gekauft haben, leuchten auf und erhalten ein zartes, perlmuttfarbenes Schimmern.
Es gibt eine alte Tempelquelle, unterirdisch, mit Leuchtmoos an den Wänden und einem Steg mit Bötchen. Es ist nicht gedacht, dort hinzugehen, aber wer den Zugang zufällig findet, wird ein gesegnetes Jahr haben.